Wie Glaubenssätze unser Leben beeinflussen

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... und wie wir bewusster damit umgehen können

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Heute teile ich einen Auszug aus meiner Abschlussarbeit zum NLP-Master-Coach mit dir, denn das Thema Glaubenssätze finde ich sehr spannend und es hat mega Potenzial für persönliche Weiterentwicklung! Übrigens habe ich den Auszug ein wenig umgeschrieben, damit er sich nicht so hochgestochen liest :)

Die Arbeit mit Glaubenssätzen ist so umfangreich, tiefgreifend und universell einsetzbar, dass sie auf der mentalen Ebene der Stresskompetenz hervorragend Anwendung findet. Man könnte eine Coaching-Praxis einzig und allein auf der Auflösung hinderlicher Glaubenssätze aufbauen, und nahezu alle menschlichen Problembereiche damit abdecken.

Es gibt Glaubenssätze über alle Bereiche des Lebens: über die Welt, über die eigene Identität, über Veränderung, Politik, Gesellschaft, Familie, Beziehungen, ...

Seit man im NLP entdeckt hat, wie wichtig die Rolle von Glaubenssätzen bei der Überwindung von störenden Verhaltensweisen und Erlebnisformen ist, hat man begonnen, mithilfe des breiten Sammelsuriums von NLP-Formaten passende Veränderungstechniken zu entwickeln.

Sprichwörter und Credos, die wir als Kind oft gehört haben oder die zu gängigen Aussagen in der Gesellschaft oder in der Familie geworden sind (sog. kollektive Glaubenssätze), werden oftmals ungeprüft zu Lebensregeln verinnerlicht, die auch im Erwachsenenalter in uns wirken.

 

„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“   (der Workaholic in mir hat früher immer heftig genickt, wenn ich das gehört oder gelesen habe...)

„Was Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmer mehr.“

„Geld verdirbt den Charakter.“

„Ab 50 geht es abwärts.“

„Stress macht krank.“

 

Unser inneres Glaubenskonstrukt ist die Grundlage für unser Handeln und Denken, logisch oder unlogisch, vernünftig oder unvernünftig, zielführend oder kontraproduktiv.

Wichtiger als die Herkunft der Glaubenssätze sind jedoch ihre Auswirkungen auf unser Befinden und Verhalten. Was wir tun, ist, was wir glauben.

Dr. Bruce Lipton, ein amerikanischer Entwicklungsbiologe und Stammzellenforscher, stellt in seinem Buch The Biology of Belief eindrucksvoll dar, wie mächtig Glaubenssätze in uns wirken und weist auf wissenschaftlichem Weg nach, welche fatalen Auswirkungen sie auf molekularer Ebene auf unser gesundheitliches Befinden und sogar auf unsere Gene haben können. Daraus könnte man schließen, dass die Bearbeitung und Auflösung belastender und stressender Glaubenssätze sich günstig auf die Gesundheit auswirkt. Viele erfahren es am eigenen Körper, dass sie zum Beispiel in stressigen Lebensphasen gewisse Nahrungsmittel schlechter vertragen oder anfälliger für Erkältungen oder Allergien sind, jedoch im Urlaub oder wenn die Stressphase vorbei ist, sich alles wieder normalisiert.

 

Glaubenssätze – Wahrnehmungsfilter – selbsterfüllende Prophezeiung

Unsere Glaubenssätze (im NLP-Jargon Beliefs genannt) haben nicht nur einen maßgeblichen Einfluss auf unser Verhalten und Befinden. Wir blenden häufig auch Aspekte und Ereignisse aus, die unserem Belief zuwiderlaufen oder seine Gültigkeit in Frage stellen würden, sie können also wie Wahrnehmungsfilter wirken.

Wenn eine Angestellte beispielsweise einen starken Belief über ihren Kollegen hat, den sie als unhöflich, egoistisch und inkompetent empfindet, wird sie kaum Eigenschaften an ihm wahrnehmen können, die ihn als kollegial oder kompetent erscheinen ließen.

Seine positiven Charakterzüge kommen in ihrer Wahrnehmung nicht durch, und so bleibt ihr Fokus auf den Verhaltensweisen haften, die sie stören und über die sie sich aufregt.

Je länger die beiden also zusammen arbeiten, desto mehr Beweise für ihren Belief findet sie und so entwickelt sich ihr Wahrnehmungsfilter immer weiter und jedes Verhalten des Kollegen wird ihm negativ ausgelegt. Irgendwann erwartet sie schon die nächste egoistische Aktion oder den nächsten Fehltritt von ihm. Er wird sich verhalten wie immer, und sie fühlt sich in ihrer Erwartung bestätigt, die dadurch zur selbsterfüllenden Prophezeiung wird.

Geht sie dieses Problem mit dem Kollegen nicht an, wird er vermutlich immer ein Stressor in ihrem Arbeitsleben bleiben.

 

Wege aus der Glaubensfalle

Mittlerweile ist der Zugang zu Literatur für die Bearbeitung von Glaubenssätzen sehr leicht geworden, allerdings auch sehr unübersichtlich. Im Internet kursieren jede Menge Anleitungen und Tipps, in Form von E-Books, Freebies, Youtube-Videos, etc. Manche davon sind eher oberflächlich, vielleicht sind sie daher ein guter Einstieg für Leute, die damit noch nicht in Berührung gekommen sind. Bei der selbstständigen Bearbeitung von Glaubenssätzen kann man sich über viele innere Glaubenskonstrukte bewusst werden. Das ist schon mal ein großer Schritt und es verbessert das Verständnis für sich selbst.

Dabei kann es jedoch auch passieren, dass negative Gefühle hochkommen, was als unangenehm empfunden wird und dazu verleitet, diese innere Arbeit wieder aufzugeben. Wenn man sich entschieden hat, störende Beliefs anzugehen, und es geht an einem Punkt nicht mehr weiter, ist es sehr hilfreich, einen erfahrenen und einfühlsamen Coach aufzusuchen, der die Situation von außen im Blick hat, gezielt Impulse geben und sicher durch den Prozess führen kann. Vor allem, wenn es emotional mal unangenehm wird. Fühlt sich der Coachee (= der Gecoachte) sicher und gut aufgehoben, gewinnt diese Arbeit sehr an Tiefe und dadurch sehr effektiv sein.

 

Belief-Busting

Glaubenssätze können mit verschiedenen NLP-Methoden und auch mit anderen Formaten angegangen werden, die in NLP-Ausbildungen gelehrt werden.

Im NLP werden zur Entmachtung von Beliefs echte Gegenbeispiele und -beweise aus dem Erfahrungsschatz des Coachees heran gezogen, die der Coachee sonst nicht wahrnehmen würde. Diese Gegenbeispiele sollen dem Belief die gefühlte absolute Gültigkeit nehmen.

Wenn wir einige Beispiele von oben heranziehen, könnte das so aussehen:

 

„Was Hänschen nicht lernt, lernt der Hans nimmermehr.“

Diese Aussage hört man am ehesten von alten Leuten.

Dieser Belief bezieht sich vermutlich auf die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur und Organisation ein Leben lang neuen Anforderungen anzupassen.

Man weiß heute, dass ungünstige Einflüsse (Stress, Irritation, psychische Belastungen, Überlebensangst) die Neuroplastizität stark einschränken können. Es liegt nahe, dass die obige Aussage für die Generation unserer Großmütter und –väter, die teils von Krieg, Vertreibung und Hunger bedroht waren, durchaus als sehr wahr empfunden wird.

Doch unter günstigen Bedingungen (intakte Bindungsbeziehungen, Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit) können wir unsere Neuroplastizität bis ins hohe Alter aufrechterhalten, und müssen auch heute den Glaubenssatz der Oma-Opa-Generation nicht mehr auf uns anwenden.

Hier ist ein schöner Artikel dazu:

http://www.subwo.de/blog/2014/4/17/was-das-gehirn-eigentlich-kann-neuroplastizitt

 

„Ab 50 geht es abwärts.“

Hast du schon mal von Ernestine Shepherd, der ältesten Bodybuilderin der Welt, gehört?

Sie hat im Alter von 56 Jahren angefangen zu trainieren, langsam und stetig, und wird heute mit über 80 Jahren immer noch die „fitteste Oma der Welt“ genannt.

http://www.huffingtonpost.de/2016/06/20/ernestine-shepherd-bodybuilding_n_10567570.html

Gut, das ist womöglich ein extremes Beispiel, aber es zeigt doch, dass wir es zu einem großen Teil selbst in der Hand haben, wie es uns später mal gesundheitlich geht. Und ich bin mir sicher, dass das, was wir über das Älterwerden glauben, stark beeinflusst wie wir uns ernähren und bewegen.

 

An dieser Stelle eine kleine Bitte von mir, wenn die Oma mal sowas von sich gibt, sie sei zu alt um dieses und jenes neu anzufangen, versuch nicht, sie umzustimmen, die Diskussion könnte endlos werden :)

Und es geht hier auch nicht darum, andere zu belehren. Es geht eher darum, zu verstehen, was es für jeden persönlich für einen Unterschied macht, was er oder sie glaubt.

Ist ein Glaubenssatz förderlich (z. B. „Ich bin es wert, dass es mir gut geht.“), werden wir ihn auch tunlichst so lassen. Ist ein Glaubenssatz oder eine Überzeugung jedoch nicht hilfreich (z. B. „Ich bin nicht gut/schlau/hübsch genug für...“), sind wir dadurch in unserem Potenzial und unseren Möglichkeiten eingeschränkt und da lohnt es sich auf jeden Fall genau hinzuschauen und sich dran zu machen.

Für sich selbst oder auch mit einem erfahrenen Coach.

 

In diesem Sinne, ich glaube ich trinke jetzt noch einen Kaffee und hoffe ich konnte dich mit dem Artikel inspirieren!

Ich freue mich über deine Meinung in den Kommentaren!

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